Abschiednahme

9. November 2008

“6.000 Trauernde bei Abschiednahme in Wien”
www.news.at
Was haben die Trauernden gemacht? Haben sie Abschied genommen? Nein, sie haben wohl eine Abschiednahme durchgeführt.
Und 6.000 haben an der Abschiednahmedurchführung teilgenommen.

Heimat hat viel mit Herz zu tun

1. Oktober 2008

Theater hat viel mit Erotik zu tun.

Geschäft hat viel mit Glück zu tun.

Essen hat viel mit Genuss zu tun.

Gewalt hat viel mit Machtausübung zu tun.

Gesundheit hat viel mit Ökologie zu tun.

Geld hat viel mit Gefühl zu tun.

Vorlesen hat viel mit Nähe und gegenseitigem Zuhören zu tun.

Die Zukunft vorauszusagen, hat viel mit Intuition zu tun.

Positive Einstellung zu sich selbst hat viel mit Liebe zu tun.

“A hat viel mit B zu tun” bedeutet soviel wie: “Ich habe keine Ahnung, in welcher Beziehung A zu B steht und ich bin auch zu faul, darüber nachzudenken”.

Was

20. Januar 2008

“Das ist ja das Problem, was wir mit der Postmoderne haben.”
Andrea Maihofer, Soziologin, im Schweizer Fernsehen

Immer öfter, wie mir scheint, hört man diesen Gebrauch des Relativpronomens was von (offensichtlich gebildeten) Sprechern oder Sprecherinnen aus dem Norden Deutschlands.

Der Duden gibt folgende Gebrauchsanweisung:

Wenn man für den Anschluß eines Relativsatzes unsicher ist, ob als Pronomen das oder was zu wählen sei, kann man sich an folgenden Grundregeln orientieren:
a) das wird gebraucht, wenn das Bezugswort ein sächliches Substantiv oder ein substantiviertes Adjektiv (Partizip) ist, das etwas Bestimmtes oder Einzelnes bezeichnet:
Das Werkzeug, das man an der Ausgabe bekommt… Das Kleine, das sie im Arm hielt…
b) was wird gebraucht, wenn das Bezugswort ein substantiviertes Adjektiv (Partizip) ist, das etwas Allgemeines, etwas Unbestimmtes oder etwas rein Begriffliches ausdrückt:
All das Schöne, was wir in diesen Tagen erlebten, war zerstört.

Möglich, dass man uns in Österreich den falschen Gebrauch von was gründlicher austreibt, weil wir im Dialekt ausschließlich was als Relativpronomen benutzen. (Der Oarsch , was mir den Lack zerkratzt hat, g’hört derschlagen! Die Kaffeemaschin, was du kauft hast, is hin.)

Brutalokids

13. Januar 2008

Gehört auf ORF 2 in “Vera exklusiv”. Meint jugendliche Gewalttäter.

Kersfees

15. Dezember 2007

Über Christmas in Vienna wollen wir uns nicht weiter auslassen. Internationales Event, Wien als Global Player in Sachen Klassik - geschenkt. Aber was, bitte, sollen wir von Weihnachen in Vienna halten? So heißt das, wenn Ivan Rebroff in der Votivkirche singt. Müsste es dann nicht Weihnachten in Вена heißen? Oder Рождество Христово in Wien? Aber der Rebroff heißt ja Hans Rolf Rippert. Warum also nicht Christmas in Becs oder Natale in Vídeň oder Kersfees in Viyana?

Teure Preise

14. Dezember 2007

Und wir kommen zu einem ganz anderen Thema: den teuren Preisen.

ORF, ZIB 20, 14.12.2007

Teuer ist, was viel kostet. Wieviel kostet ein Preis?

Schlechte Übersetzer

11. Dezember 2007

Terry-Pratchet-Leser Felix bringt unter Original und Übersetzung ein paar Beispiele aus “Wintersmith”:

Original:

But when it came to odd, Mrs Treason didn’t just take the cake, but a packet of biscuits too, with sprinkles on the top and also a candle.

Übersetzung:

Doch in Sachen Seltsamkeit schoss Fräulein Verrat eindeutig den Vogel ab. Und es war ein großer Vogel, mit vielen bunten Federn.

Dabei wird deutlich, dass bei der Übersetzung doch einiges verloren geht. Das soll nicht heißen, dass die Übersetzung von Andreas Brandhorst schlecht ist, nein, ich denke, es ist sogar das beste was man daraus machen kann. Nichtsdestotrotz geht aber etwas verloren. Das zeigt sich noch stärker bei folgendem Beispiel, bei dem Pratchett dieses Wortspiel nocheinmal aufgreift:

Original:

Yes… perhaps Miss Treason didn’t just take the cake, a packet of biscuits with sprinkles on the top, and a candle, but also the trifle, the sandwiches and the man who made amusing balloon animals afterwards.

Übersetzung:

Ja, in Sachen Seltsamkeit schoss Fräulein Verrat nicht bloß den Vogel ab. Sie holte einen ganzen Schwarm herunter.

Und weiters wird die Sprache der NacMcFeegle verglichen:

Original:

‘Ach crivens!’ it grumbled. ‘Will ye no’ look at this? ‘Tis the work o’ the wintersmith! Noo there’s a scunner that willnae tak’ “no” fra’ a answer!’

Übersetzung:

“Potzblitz”, brummte es, “Seht euch das an! Das is’ das Werk des Winterschmieds! Er meint es verdammt ernst!”

Tja, Übersetzer werden üblicherweise schlecht bezahlt, daher müssen sie schnell arbeiten und übersetzen runter, ohne lang nachzudenken. Dass man für ein Kaliber wie Pratchett nicht mehr investiert, erstaunt mich allerdings immer wieder.

Schon allein der Name: Miss Treason klingt, als könnt’s den Namen wirklich geben. Fräulein Verrat heißt niemand. Dabei gibt es im deutschen Sprachraum Leute, die z.B. Verderber heißen oder Bauernfeind oder Hönigschmied. Daran hätte sich der Übersetzer anlehnen müssen. Da fällt mir z.B. Frl. Renkeschmid ein. Frl. Emilie Hochverrat würde schon glaubwürdiger klingen.

Und der Witz mit dem Kuchen wäre ja auch nicht so schwer rüberzubringen:

Doch in Sachen Seltsamkeit schoss Fräulein Renkeschmid eindeutig den Vogel ab. Und nicht irgendeinen. Mindestens einen Lämmergeier. Der einen Bussard in den Krallen trug. Der gerade einen Sperber verschluckt hatte. Dem noch ein Mäuseschwänzchen zum Schnabel heraushing.

Und als Steigerung:

Ja wirklich, in Sachen Seltsamkeit schoss Fräulein Renkeschmid nicht nur den Lämmergeier mit dem Bussard, dem Sperber und dem Mäuseschwänzchen ab, er fiel ihr auch fertig gerupft, gebraten und mit Kastanien- und Apfelfülle versehen direkt aufs Serviertablett.

Und für die NacMcFeegle müsste man wohl einen Bergdialekt aus dem Grenzgebiet von Tirol, Bayern und Graubünden hernehmen bzw. erfinden:

“Ach läck, lug dr das a! Das isch dr Wintrschmiad gwen! Oh bluatige Suudräck, där spaßet nitt!” oder so ähnlich.

Also: Terry Pratchett unbedingt im Original lesen. Alle Übersetzungen, die ich kenne, sind keine Übersetzungen, sondern Inhaltsangaben.

Licht ins Dunkel

28. November 2007

Ein Leben mit Behinderung kann ausweglos erscheinen - Muss es aber nicht.

ORF Werbespot für “Licht ins Dunkel” November 2007

Da werden sich die Behinderten aber freuen, dass ihr Leben nicht ausweglos erscheinen muss. Ob es ausweglos sein muss, ist eine andere Frage.

Ledergeld

23. November 2007

Ledergeld

Um 715 gab der römische König Numa Pompilius geprägtes Ledergeld aus.

Plato berichtet über Ledergeld in Karthago

Bedrucktes Ledergeld wurde erstmals 119 v.Chr. in China erwähnt. Das Leder bzw. das Fell der weissen Hirsche, die im Park des Kaiserpalastes gezüchtet wurden, schnitt man in quadratische Stücke, bemalte und bestickte es.

Aus dem Material Leder sind verschiedene Ausgaben von Notgeld bekannt. Gedrucktes Ledergeld ist aus dem Baltikum im 19. Jahrhundert überliefert (Dorpat, Pernau, Reval, Werro, Woisek). Beispiele für Ledergeld zur Inflationszeit 1923 gab es auch in Deutschland (Pößneck, Borna, Paderborn) sowie in USA 1933 in Albany (Oregon).

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Vergessen

22. November 2007

Es ist einer der Kriege, den die Welt vergessen hat.

Die Presse, 22. 11. 2007

Es ist ein Krieg, den die Welt vergessen hat, gewiss. Aber es ist einer aus der Menge der Kriege, die die Welt vergessen hat.