Schlechte Übersetzer
Terry-Pratchet-Leser Felix bringt unter Original und Übersetzung ein paar Beispiele aus “Wintersmith”:
Original:
But when it came to odd, Mrs Treason didn’t just take the cake, but a packet of biscuits too, with sprinkles on the top and also a candle.
Übersetzung:
Doch in Sachen Seltsamkeit schoss Fräulein Verrat eindeutig den Vogel ab. Und es war ein großer Vogel, mit vielen bunten Federn.
Dabei wird deutlich, dass bei der Übersetzung doch einiges verloren geht. Das soll nicht heißen, dass die Übersetzung von Andreas Brandhorst schlecht ist, nein, ich denke, es ist sogar das beste was man daraus machen kann. Nichtsdestotrotz geht aber etwas verloren. Das zeigt sich noch stärker bei folgendem Beispiel, bei dem Pratchett dieses Wortspiel nocheinmal aufgreift:
Original:
Yes… perhaps Miss Treason didn’t just take the cake, a packet of biscuits with sprinkles on the top, and a candle, but also the trifle, the sandwiches and the man who made amusing balloon animals afterwards.
Übersetzung:
Ja, in Sachen Seltsamkeit schoss Fräulein Verrat nicht bloß den Vogel ab. Sie holte einen ganzen Schwarm herunter.
Und weiters wird die Sprache der NacMcFeegle verglichen:
Original:
‘Ach crivens!’ it grumbled. ‘Will ye no’ look at this? ‘Tis the work o’ the wintersmith! Noo there’s a scunner that willnae tak’ “no” fra’ a answer!’
Übersetzung:
“Potzblitz”, brummte es, “Seht euch das an! Das is’ das Werk des Winterschmieds! Er meint es verdammt ernst!”
Tja, Übersetzer werden üblicherweise schlecht bezahlt, daher müssen sie schnell arbeiten und übersetzen runter, ohne lang nachzudenken. Dass man für ein Kaliber wie Pratchett nicht mehr investiert, erstaunt mich allerdings immer wieder.
Schon allein der Name: Miss Treason klingt, als könnt’s den Namen wirklich geben. Fräulein Verrat heißt niemand. Dabei gibt es im deutschen Sprachraum Leute, die z.B. Verderber heißen oder Bauernfeind oder Hönigschmied. Daran hätte sich der Übersetzer anlehnen müssen. Da fällt mir z.B. Frl. Renkeschmid ein. Frl. Emilie Hochverrat würde schon glaubwürdiger klingen.
Und der Witz mit dem Kuchen wäre ja auch nicht so schwer rüberzubringen:
Doch in Sachen Seltsamkeit schoss Fräulein Renkeschmid eindeutig den Vogel ab. Und nicht irgendeinen. Mindestens einen Lämmergeier. Der einen Bussard in den Krallen trug. Der gerade einen Sperber verschluckt hatte. Dem noch ein Mäuseschwänzchen zum Schnabel heraushing.
Und als Steigerung:
Ja wirklich, in Sachen Seltsamkeit schoss Fräulein Renkeschmid nicht nur den Lämmergeier mit dem Bussard, dem Sperber und dem Mäuseschwänzchen ab, er fiel ihr auch fertig gerupft, gebraten und mit Kastanien- und Apfelfülle versehen direkt aufs Serviertablett.
Und für die NacMcFeegle müsste man wohl einen Bergdialekt aus dem Grenzgebiet von Tirol, Bayern und Graubünden hernehmen bzw. erfinden:
“Ach läck, lug dr das a! Das isch dr Wintrschmiad gwen! Oh bluatige Suudräck, där spaßet nitt!” oder so ähnlich.
Also: Terry Pratchett unbedingt im Original lesen. Alle Übersetzungen, die ich kenne, sind keine Übersetzungen, sondern Inhaltsangaben.











Am 11. Dezember 2007 um 19:14 Uhr
Terry Pratchett - Original und Übersetzung
Habe passend zu der Jahreszeit die Lektüre von “Wintersmith” von Terry Pratchett begonnen. Es ist das erste Mal, dass ich ein Terry Pratchett Roman im Original lese. Und auch wenn ich bisher davon überzeugt war, dass der Übersetzer Andre…